Romanschreiben. Endlich anfangen: 1 Stift, 1 Traum & 30 Tage Zeit

Fang einfach an, deinen Roman zu schreiben!
Romane schreiben: Masse statt Klasse? Egal, Hauptsache anfangen! (stockphoto www.pexels.com)

Wussten Sie schon, dass in den U.S.A. der November als Monat des Romanschreibens gefeiert wird? Auf los geht’s los: Simultan stürzen sich Autoren und Autorinnen Anfang November auf ihr Romanprojekt und schreiben sich die Finger wund, um bis zum Monatsende 50.000 Wörtern, also circa 200 Buchseiten, zu erreichen. Das Ganze nennt sich „National Novel Writing Month“ (NaNoWriMo) und wurde 1999 von dem Amerikaner Chris Baty ins Leben gerufen. Doch wie soll man das Massenschreiben bewerten? Als Ansporn oder als Albtraum für die Kreativität?

Anfänge des Kreativen Schreibens

Obwohl die Anfänge des Kreativen Schreibens in den U.S.A. erst in den Zwanzigerjahren liegen, hat es sich seitdem explosionsartig weiterentwickelt. Heutzutage ist „Creative Writing“ in den Staaten ein selbstverständliches Schulfach, dem man auch ein Universitäts-Studium widmen kann. In Deutschland findet man Vergleichbares nur schwer. Hier sei nur kurz auf den Studiengang „Kreatives Schreiben und Kulturjournalismus“ an der Universität Hildesheim und dem Schriftsteller-Studium „Literarisches Schreiben“ an dem Deutschen Literaturinstitut der Universität Leipzig verwiesen. Berührungsängste wie bei uns gibt es in den U.S.A. kaum. Grund dafür sind vielleicht genau solche Projekte wie der NaNoWriMo. Wie genau funktioniert also die Idee des Novel-November?

Einzige Spielregel: Fang endlich an, deinen Roman zu schreiben !

Die Spielregeln sind überaus einfach. Man macht sich vorab erste Gedanken zum Handlungsverlauf eines Romans, meldet sich dann online zum Wettbewerb an (den Link gibt es ganz unten).  Am 1. November um 0:00:01 Ortszeit des Teilnehmers geht es los und am 30 November um 24 Uhr Ortszeit ist der Roman fertig, sprich die magische Anzahl von 50 000 Wörtern erreicht. Zur Verifizierung reicht das Wörterzählen, der Inhalt spielt keine Rolle. Der Gewinn besteht in einem Gewinner-Icon, einer ausdruckbaren Urkunde im PDF-Format.

Why? Um die Angst davor zu verlieren, einen eigenen Roman zu schreiben!

Und was soll das Ganze? Natürlich ist es so gut wie unmöglich, einen stringent durchdachten, vielschichtigen, künstlerisch wertvollen Roman in 30 Tagen in die Tasten zu kloppen. Aber darum geht es auch nicht. Das Ziel besteht laut Baty darin, durch das Drauflosschreiben unter Zeitdruck den inneren Lektor auszutricksen und dadurch Schreibhemmungen abzubauen. Außerdem kann man herausfinden, wie es sich anfühlt, gemeinsam zu schreiben: Die Teilnehmenden, mittlerweile arbeiten weltweit Hunderttausende im November gleichzeitig an ihrem Manuskript, schwärmen von einem einzigartigen Gemeinschaftsgefühl im Forum. Statt einsam zu Hause im Kämmerchen zu schreiben, fühlen sie sich als Teil einer großen Schriftstellerfamilie, die sich gegenseitig Tipps gibt und unterstützt.

Was soll man davon halten?

Meiner Meinung nach ist der NaNoWriMo ein toller, frischer Ansatz. Mir gefällt die spielerische Art, dem erdrückenden (deutschen?) Perfektionismus ein Schnippchen zu schlagen. Pragmatisch und hemdsärmelig wird der Schreibblockade der Garaus gemacht, der Einsamkeit des Schreibenden eine Fluchttür geöffnet. Dennoch überzeugt mich das kreative Rudelschreiben nicht. Die Fixierung auf den quantitativen Output schreckt mich ab. Geht es beim literarischen Schreiben nicht eher um Qualität? Darum, sein Handwerk zu beherrschen, die Fähigkeit, dreidimensionale Figuren zeichnen zu können und überraschende „plot twists“ auszutüfteln? Ist nicht das Ziel des Ganzen, eine eigene, unverkennbare Erzählstimme zu entwickeln?

Ihre Meinung ist gefragt

Ist Batys kreatives Schreibprojekt eine geniale, zeitgemäße Initialzündung, um ins Schreiben zu kommen, oder lässt sich Kreativität so ganz sicherlich nicht erzwingen? Ich bin gespannt auf Ihre Kommentare. Vielleicht haben Sie sogar Lust auf ein Selbstexperiment? Informationen finden Sie hier: www.nanowrimo.org

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