Wie schreibt man fürs Netz? Texten im Web leicht gemacht.

Fürs Netz schreiben funktioniert anders als offline schreiben
Fürs Netz schreiben? Wie geht das? (stockphoto@pexels.com)

Wörter sind Wörter. Ob ich online oder offline texte, macht doch keinen großen Unterschied, oder? Gehören Sie auch zu denjenigen, die so denken? Sorry, dann muss ich Sie enttäuschen. Wer fürs Netz schreiben will, sollte sich klar machen, dass die Lesegewohnheiten im Web mit dem Schmökern in einem Roman ungefähr so viel zu tun haben wie die Bücher von Stephen Hawking mit schwungvollen Eurythmie-Aufzeichnungen.

Schnelle Lesbarkeit

Wenn Sie Ihren Lieblingsroman lesen wollen, kochen Sie sich einen Becher Kaffee, setzen sich bequem in den Sessel und nehmen sich Zeit, um genussvoll in die Welt des Helden einzutauchen. Und hier kommt schon der erste grundlegende Unterschied: Im Netz werden Texte nicht gelesen, sondern lediglich gescannt. Die User wollen Ihrem Text nicht Wort für Wort folgen. Was sie interessiert, sind die schnellen Informationen, die ihnen sofort, möglichst schon beim Überfliegen der Überschriften, auf einen Blick übersichtlich dargeboten werden.

Da das Leseverhalten online anders als offline funktioniert, gelten beim Verfassen überzeugender Webinhalte (sogenannter „Content“) allein schon bei der optischen Gestaltung der Webseite eigene Regeln: Übersichtlichkeit ist King! Der schnellen Lesbarkeit wird alles andere untergeordnet. Für Sie bedeutet das ganz konkret, dass Sie besser auf kreativ-schnörklige Experimente bei Typo und Co verzichten. Sorgen Sie stattdessen lieber durch klare Farben und klassische Formatierungen für einen ansprechenden, intuitiv sofort nachvollziehbaren Aufbau Ihres Beitrags.

Was und wen will ich mit dem Text erreichen?

Während viele Romane ihre Leser durch eine Exposition gemächlich in ihre Welt einführen, sind beim Online-Texten höfliche Begrüßungsfloskeln und netter Happy-Talk ein Risiko. Die Gefahr ist groß, dass Ihre Leser sich nach dem langatmigen Satzanfang gleich wieder wegklicken.

Egal, ob Sie an Ihrem Blog oder an Ihre Website schreiben, legen Sie nicht einfach irgendwie los, sondern nehmen Sie sich lieber vorab etwas Zeit, um sich zu überlegen, welche Funktion Ihr Text hat, was Sie mit ihm erreichen wollen. Mit welchen Bedürfnissen kommen die Leser auf Ihre Seite und was sind die Botschaften, die Sie ihnen vermitteln wollen? Versuchen Sie das möglichst sofort am Anfang mitzuteilen, um die Leser willkommen zu heißen und zu zeigen, dass sie bei Ihnen richtig sind.

Wie finde ich passende Inhalte fürs Schreiben im Netz?

Vor dem Schreiben steht das Sammeln von Ideen. Es gibt viele Möglichkeiten, um auf interessante Einfälle zu kommen. Sie können beispielsweise eine Mind-Map anfertigen und brauchbare Themen anschließend in schon etwas größer ausgearbeiteten thematisch eng zusammenhängenden Clustern weiterentwickeln. Ich selbst arbeite in dieser Phase gerne mit bunten Karteikarten, die sich immer wieder verschieben lassen. Doch denken Sie nicht nur inhaltlich über das Thema nach. Schon jetzt sollten Sie sicherstellen, dass Ihr Beitrag auch gefunden wird.

Was muss ich bei der Wahl der Wörter besonders beachten?

In diesem Zusammenhang empfiehlt es sich, sich darüber Gedanken zu machen, wie Suchmaschinen funktionieren und wie man die Ergebnisse optimieren kann, indem man effiziente Keywords verwendet. Auch als Einsteiger werden Sie leider nicht darum herumkommen, sich mit dem Begriff SEO („Search-Engine-Optimisation“) und den vielen diesbezüglichen Tipps und Tricks zumindest ein wenig vertraut zu machen.

Die Kunst besteht kurzgefasst darin, griffige Schlüsselwörter zu finden, die aber auch nicht zu offensichtlich sein dürfen, da Sie sich sonst gegen zu viele große Anbieter behaupten müssen. Manchmal macht es sogar Sinn, eine etwas längere Wortkombination als Keyword zu benutzen (einen „long tail“), um sich dadurch von der Menge abzusetzen. Wer mag, kann verschiedene Möglichkeiten hier ausprobieren: https://kwfinder.com/

Keywords spielen auch bei der Formulierung der Headline und der Zwischenüberschriften eine wichtige Rolle. Ansonsten funktionieren online-Titelzeilen aber im Großen und Ganzen so wie ihre Verwandten in den Printmedien. Eine clevere Schlagzeile ist meist kurz formuliert, sticht manchmal durch eine originelle Wendung hervor, ist aber wiederum auch nicht zu kompliziert, denn sie soll den Lesern schließlich gut im Gedächtnis bleiben.

Schreiben fürs Netz: Das Wichtigste zuerst

Das Tolle am Internet ist, dass es so sagenhaft schnell arbeitet. Doch dieser Vorteil birgt auch Gefahren. Wir haben schon darüber gesprochen, dass Sie, wenn Sie Ihre Leser dazu bringen wollen, länger auf Ihrer Seite zu verweilen, schnell auf den Punkt kommen sollten. Praktisch gesehen heißt das, dass das Wichtigste nach ganz vorne gehört, um sofort die Aufmerksamkeit des Users zu fesseln.

Diese Schreibstrategie nennt man auch „umgekehrte Pyramide“. Diesen Begriff finde ich sehr anschaulich, da eine auf den Kopf gedrehte Pyramide gut verdeutlicht, dass wir keine Zeit haben, einen Inhalt langsam zu entwickeln und sukzessive mit immer mehr Details anzureichern. Zuerst kommen die wichtigen Fakten, dann die Ausführungen. Und was sind die wichtigsten Informationen? Ich finde es hilfreich, mich beim Erstellen der „topic sentences“ an den alten, klassischen W-Fragen zu orientieren: wer, was, wo, wann, wie, warum.

Strukturen schaffen

Wenn ich die W-Fragen-Technik auf diesen Blogbeitrag anwende, heißt es, dass wir jetzt bereits wissen, was (Inhalt mit Keywords) wir warum (Information, Unterhaltung, Kundenbindung, Marketing etc.) schreiben wollen und wo es stehen soll (Faustregel: Das Wichtigste zuerst!). Jetzt fehlt uns noch das „wie.“

Lange, komplexe Satzkonstruktionen schrecken im Netz ab. Versuchen Sie es stattdessen mit kurzen, klaren Sätzen. Machen Sie Absätze, benutzen Sie bullet points und erfinden Sie Zwischenüberschriften, in denen Sie optimalerweise auch Ihre Keywords unterbringen. Der Abschnitt, den Sie gerade gelesen haben, würde in weboptimierter Form etwa wie folgt aussehen:

Knackige äußere Form sorgt für gute Lesbarkeit

  • Was: Bereiten Sie den Inhalt der Website so auf, dass er auf den ersten Blick deutlich wird, um was es geht. Arbeiten Sie mit zielführenden Keywords, um Ihre Sichtbarkeit im Netz zu erhöhen.

 

  • Warum: Seien Sie sich im Klaren darüber, was die Funktion Ihres jeweiligen Texts ist. Wollen Sie den Leser an einen aktuellen Termin erinnern? Möchten Sie ihn unterhalten oder möchten Sie ihn zum Kauf eines Produktes animieren? Passen Sie die inhaltliche Aussage an den Zweck Ihres Textes an.

 

  • Wie: Erschlagen Sie den Leser nicht mit Unmengen von Wortwüsten. Schaffen Sie stattdessen Ruhezonen für das Auge, indem Sie Leerzeilen und Absätze verwenden. Sorgen Sie für Übersichtlichkeit durch Ordnung (kurze Sätze, Aufzählungen mit bullet-points etc.)

 

Auch beim Schreiben fürs Netz macht der Ton die Musik

Als aufmerksamer Leser haben Sie vermutlich bemerkt, dass ich eine wichtige W-Frage unterschlagen habe. Wer ist Ihre Zielgruppe? Für wen schreiben Sie? Es ist wichtig, dass Sie sich darüber Gedanken machen, denn es beeinflusst den Ton, in dem Sie schreiben. Das fängt mit der Frage an, ob Sie Ihre Leser duzen oder siezen. Es geht weiter mit der Überlegung, ob Sie nüchtern, sachlich schreiben wollen oder ob Sie Umgangssprache verwenden.

Vielleicht schreiben Sie hauptsächlich für die Freunde aus Ihrem Heimatort. Dann mag es Sinn machen, Dialektausdrücke oder kumpelhaft vertraulichen Slang zu benutzen. Als Schreibberaterin in Köln könnte ich beispielsweise zum „klüngeln“ ganz gezielt kölsche Begriffe einbauen, denn  „Kölsch es wat dä Kölsche schwaad.“ Doch leider reichen meine Kölschkenntnisse als „ene imiteete Kölsche“ dafür nicht aus …

In einigen Kreisen wirkt es künstlerisch-liberal nur noch Kleinbuchstaben zu verwenden, in anderen sollten Sie penibel auf Ihre fehlerfreie Rechtschreibung achten.

Multimediale Chancen nutzen

Wer kein digital native ist, wird sich andere Schreibstrategien angewöhnen müssen, wenn er oder sie für das Netz schreibt. Das mag vorerst neu und umständlich anmuten, doch es eröffnet auch tolle Möglichkeiten.

Fortgeschrittenen stehen viele verschiedene Darstellungsformen beim inhaltlichen Gestalten einer Website zur Verfügung. Das Setzen von internen und externen Links gehört genauso dazu wie das Einpflegen von Bildern, Fotos, Videos und Audios (Podcasts). Sie sehen schon, dass Sie beim Online-Schreiben bei der Darstellung von Sachverhalten durchaus in die Tiefe und in die Breite gehen können. Darüber hinaus geben Sie Ihren Lesern Möglichkeiten an die Hand, sich ganz individuell über einzelne Bereiche, die sie  besonders reizvoll finden, noch gezielt weiterzuinformieren.

Abgesehen davon haben Sie die Möglichkeit, schnell mit Ihren Lesern in Kontakt zu treten, indem Sie sie zum Beispiel um Feedback in Kommentaren bitten. Wer mehr am Marketing orientiert arbeitet, kann seinen Beitrag mit einem bedienungsfreundlichen Call-To-Action-Button abschließen.

Und, was wird sich auf Dauer durchsetzen? Stift oder Tastatur? Werden wir demnächst vorwiegend online lesen und schreiben oder wird beides nebeneinander bestehen bleiben, um jeweils andere Bedürfnisse abzudecken? Denkbar wäre auch noch eine dritte Lösung, eine Weiterentwicklung in Richtung einer Art „blending“, einer wie auch immer aussehenden Kombination beider Kommunikationskanäle. Alles ist möglich und wir dürfen gespannt sein, wohin uns die Entwicklung in der Zukunft noch führen wird.

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