Die Magie von Serien

Seriencamp 2025 Köln Ticket von Sigrun Dahmer als Autorin und Schreibberaterin
Bunter Erfahrungsaustausch: Vom Konzept zum fertigen Film.

Seriencamp: Mein erstes Mal

Die Magie von Serien? Schöner Titel, aber ehrlich gesagt gucke ich gar nicht so viele Serien. Klar, es gibt schon gut gemachte Crime-Series oder auch witzig, schräge Serien, die mich bestens unterhalten, aber insgesamt bin ich doch noch ziemlich Old-School, was meine Sehgewohnheiten angeht. Aber ich glaube, dass sich das jetzt ändern wird. Warum? Weil ich das erste Mal am Seriencamp in Köln teilgenommen habe und mich der Blick hinter die Kulissen neugierig gemacht hat. Unglaublich, was es da alles zu bedenken gilt.

Connecten mit Film & Fernseh-Leuten

Und wie bin ich überhaupt dort gelandet? Als Autorin, lizenzierte Schreibberaterin und Rhetoriktrainerin ist es mir wichtig, gut vernetzt zu sein. Als ich mit einigen Autoren und Autorinnen vom Syndikat und den Mörderischen Schwestern das BKA besucht habe (mehr Infos gibt`s hier: Krimifans: Pssst! Stillschweigen bewahren!), habe ich nicht nur viel Spannendes erfahren, sondern auch tolle neue Bekanntschaften geschlossen.  Darunter befanden sich auch eine Drehbuch-Autorin, die mir vom mittlerweile jährlich stattfindenden Serien Camp in Köln erzählte. Tatsächlich hatte ich bis dahin noch nie von der Veranstaltung gehört. Als ich dann erfahren habe, um was genau es sich dabei handelt, war ich geflasht. Ich ließ mich als Konferenzteilnehmerin akkreditieren und verbrachte letzte Woche drei ungeheuer spannende Tage auf dem Festival.

 

Seriencamp: Zwischen Herbrand`s und Cinenova

Seriencamp Tag 1

Es gab an allen drei Tagen sehr viele spannende Veranstaltungen, die in der Regel parallel an verschiedenen Orten stattfanden. Natürlich kann man sich nicht alles angucken, aber ich war besonders am ersten Tag sehr ambitioniert,  in möglichst Vieles hineinzuschnuppern.

  • Bei der ersten Veranstaltung, die ich besuchte, berichtete eine Drehbuchautorin von ihrem Alltag und beantwortete viele Fragen aus dem Publikum.  Sehr spannend. Was ich im Kopf behielt, war, dass das Vermarkten von Scripts ein hartes Geschäft ist, bei dem man einen langen Atem braucht.
  • Es folgte der schwedische „Nostradamus-Report“, ein Blick in die Zukunft. Der Bericht war ziemlich kritisch und erstaunlich politisch.
  • Am späten Nachmittag hörte ich mir eine sehr interessante Podiumsdiskussion darüber an, wie ein Serienformat für die verschiedenen Länder, in denen die Serie gezeigt werden soll, abgeändert, also interkulturell adaptiert wird.

Seriencamp Tag 2

Ich begann den Mittwoch mit einer Veranstaltung, die mir sehr am Herzen  lag:

  • Writers` Vision Pitches: In jeweils 5 Minuten wurden dem Publikum  vier neue Drehbuchideen vorgestellt. Da waren richtig krasse innovative Ideen dabei. Ich hoffe sehr, dass sich Produzent:innen dafür finden werden.
  • Etwas später nahm ich an dem Gegenpart dazu teil, den Producers` Vision Pitches. Nach was hält die Filmindustrie Ausschau? An welchen Themen und Formaten haben sie Interesse?
  • Besonders nachhaltig beeindruckt hat mich dann eine Podiumsdiskussion mit dem schönen Namen: “ Messy, weird and personal.“ Dort stellten erfolgreiche Drehbuchschreibende ihre Serien vor,  die sich gerade nicht an das breite Massenpublikum richten, sondern eher nischig und schräg sind.  Ich persönlich mag diese Art von Serien am meisten, da ich sie als besonders authentisch und originell empfinde.

Schon am zweiten Tag bedauerte ich, dass ich an vielen Programmpunkten nicht teilnehmen konnte. Auf einmal saß Ólafur Darri Ólafsson in der Kinoreihe vor mir. Ich kenne ihn aus „Trapped“, einer sehr guten und atmosphärisch dichten Serie, die in Island spielt. Doch die Events, bei denen er mitwirkte, passten leider nicht mehr in meinen Plan. Am Rande habe ich mitbekommen, wie ein Preis verliehen wurde. Aber auch dafür war kein Platz mehr in meinem schedule. Leider habe ich zudem die Veranstaltungen zu Mental Health im Film und zu den Afropean Productions verpasst. Zum Glück habe ich aber eine spanische Drehbuchautorin mitbekommen und  ich habe abends an der schillernden Eitel-Sonnenschein-Party teilgenommen.

Seriencamp Tag 3

Am letzten Tag, ich gebe es zu, habe ich ziemlich schlapp gemacht. Die ganze Sektion „Games and Series“ ist vollständig an mir vorbei gegangen (Mut zur Lücke).

  • Dafür habe ich aber die Diskussion zu „Boarders“, eine klug konzipierten Teenager-Serie (BBC) mitbekommen. Der Untertitel der Veranstaltung war: „Writing stories that matter: The personal is the political … and entertaining.“ Und das ist meiner Meinung nach eine ganz große Kunst: Wichtige gesellschaftliche Theman authentisch anzusprechen, ohne dass die Serie  schwer und erzieherisch wirkt.
  • Sehr spannend fand ich auch noch die Podiumsdiskussion über „Intimacy and Sex: The male and female gaze in the creative process.“ Wir erzählt man von Eros, Intimität und Sexualität? Dabei ging es nicht nur um das Einsetzen von „intimacy coordinators“, sondern auch darum, welche Funktion die Szene hat und wie die Figuren dargestellt werden.

Und dann war es vorbei. Leider.

Mein Fazit

Viele Aspekte fühlten sich vertraut an. Wie man ein Exposé schreibt, eine Logline formuliert, ein Projekt pitcht, das intendierte Zielpublikum identifiziert… All diese Punkte spielen auch beim Verfassen von Büchern eine Rolle, ganz klar. Spannend war für mich, das große Bild zu sehen. Ich finde es beispielsweise faszinierend zu erfahren, wie Drehbuchautor*innen im Writers` Room zusammenarbeiten. ( Ich hätte ebenfalls große Lust, mal mit einem oder einer Co-Pilot*in ein Buch zu schreiben.) Wenn dann noch Schauspieler*innen und eine ganze Produktions-Crew dazukommen, dann ist das Ganze noch einmal eine andere Nummer. Überhaupt ist mir bewusst geworden, was der Begriff Filmindustrie beinhaltet. Es geht natürlich auch um Verträge, Risiken, Geld, Business. Dennoch, mir ist auch klar geworden, dass es vielen Menschen im Filmgeschäft nach wie vor darum geht, authentisch zu sein, eine Botschaft zu vermitteln, eine wichtige Geschichte zu erzählen,  zu  berühren und im besten Fall für Menschlichkeit und gegenseitiges Verständnis einzutreten.

Und, wie stehen Sie zu Serien? Nicht Ihr Ding? Oder neigen Sie zum „bingen“? Ich freue mich über Geständnisse und Serien-Empfehlungen in den Kommentaren.

Eitel-Sonnenschein-Party

 

Mehr Infos zum Seriencamp gibt`s hier: https://www.seriencamp.tv/

Wer Interesse am Drehbuchschreiben hat, der interessiert sich vielleicht auch für diesen Beitrag: Scriptdoctor: Schreibberatung für Drehbücher

 

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