Drei Gründe, warum Schreiben gut tut

Sigrun Dahmer schreiben Schreibcoach
Reden ist Silber, Schreiben ist Gold

Schreiben tut gut, weil es langsam ist

Die Entdeckung der Langsamkeit: Sie kennen das sicherlich auch: Ihr Kopf ist voll und droht zu platzen. Doch sobald Sie sich die Gedanken notieren, kehrt Ruhe ein. Ulrike Scheuermann spricht diesbezüglich vom „Schreibdenken“:

https://ulrike-scheuermann.de/ulrike/

Ich finde diesen Begriff sehr hilfreich, denn auch mir hilft das Schreiben beim Denken. Schon allein deswegen, weil ich nicht so schnell schreiben kann, wie ich denke. Dadurch bin ich gezwungen, langsamer an die Themen heranzugehen.

Schreiben tut gut, weil es linear ist

Der zweite große Vorteil beim Schreiben ist, dass ein Wort auf das andere folgt. Beim Denken geht es in unserem Kopf oft drunter und drüber und bei schwierigen Themen drehen wir uns besonders gern im Kreise. Wenn wir unsere wilden Gedanken zu Papier bringen, müssen wir sie benennen und schaffen Ordnung. Das hilft ungemein, um uns erstens selbst über Zusammenhänge klar zu werden und sie zweitens auch anderen mitteilen zu können.

Schreiben tut gut, weil es Abstand schafft

Der dritte Vorteil ist die Distanz. Wenn wir eine Idee oder ein Ereignis aufschreiben, haben wir die Kontrolle darüber. Wir stellen es so dar, wie wir es im Moment für richtig halten. Diese Deutungshoheit gibt uns Halt, da wir unsere Gedanken durch das Schreiben in unsere Weltsicht einpassen.

Und das fühlt sich gut an.

Autobiografisch schreiben ohne zu langweilen

Autobiografisch schreiben ohne zu langweilen
Eine bewegende Autobiografie

Autobiografisch zu schreiben ohne zu langweilen ist eine große Kunst

Gerade beim autobiografischen Schreiben besteht die Schwierigkeit darin, so über sein Leben zu schreiben, dass auch die Lesenden sich mit ihren Erfahrungen darin wiederfinden können. Es geht darum, universelle Themen individuell erfahrbar und nachvollziehbar darzustellen.

Autobiografie: Das Universelle im Individuellen

Heute möchte ich euch ein Buch von einem Autoren vorstellen, dem das meiner Meinung nach vorzüglich gelungen ist. Das Buch „Boy in the Mirror“ ist auf Englisch geschrieben, der Autor nennt nur seine Initialen und am schnellsten findet man es unter der ISBN-Nummer, die ihr auf dem Foto seht.

Um was geht es konkret?

Das Buch nimmt uns mit auf die Lebensreise eines Jungen, der in Südvietnam in einer Großfamilie auf die Welt kommt. Wegen des Vietnamkrieges flieht er mit seinen älteren Geschwistern, aber ohne seine Eltern, auf einem Schiff, gehört zu den „Boatpeople.“ Er verbringt einen großen Teil seines Lebens in Kalifornien, reist später als erfolgreicher Businessman durch die Welt, und findet letztendlich seinen Lebensmittelpunkt in Deutschland.

Um was geht es auf universeller Ebene?

Es geht um das Leben zwischen den Kulturen, um das Dazugehören-Wollen und sich oft fremd und unverstanden fühlen. Es geht um den Amerikanischen Traum, das Sich-Hocharbeiten, kombiniert mit dem American Nightmare, einem unsichtbaren Filter, der Menschen nach der Maxime „friss oder stirb“ bzw. „in oder out“ bejubelt oder aussortiert. Es geht um die Frage, wie weit muss ich mich anpassen und ab wann verleugne ich mein wahres Ich? Es geht um Karriere, Liebe und Kinder und letztendlich um die Suche nach der eigenen Identität.

Leseempfehlung für die Autobiografie: „Boy in the Mirror“

Das Buch bekommt von mir eine klare Leseempfehlung. Nicht nur, weil es einen schillernden Lebensbericht mit vielen Ups and Downs vermittelt, sondern auch, weil es so kunstvoll erzählt wird. Das hängt mit einem raffinierten Einsatz von Perspektive zusammen, aber ich will nicht spoilern…

 

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