Rhetoriktraining: 13 Tipps, die jede Präsentation ruinieren

Rhetoriktraining wird auch überbewertet
Rhetoriktraining beherrsche ich im Schlaf. (stockfoto, pexels.com)

Zuverlässig scheitern ist Ihr neues Lebensmotto, Ihren Job mögen Sie nicht, Ihre Kollegen können Sie kaum noch ertragen, ganz zu schweigen vom Chef? Wunderbar, hier kommen dreizehn erstklassige Tipps aus dem Rhetoriktraining, um sich endgültig von Ihrem Arbeitsplatz zu befreien. Keine Sorge: Wer die beherzigt, setzt jede Produktpräsentation, jedes Bewerbungsgespräch und jeden Vortrag zur Vorstellung einer neuen Marketingstrategie zuverlässig in den Sand.

Tipp Dreizehn: Die 5 gerade sein lassen und sich vorher ordentlich was gönnen

Sie sind doch kein Langweiler, sondern stehen voll im Leben. Was also spricht dagegen, am Abend vor dem Präsentationstag mit den Kumpels um den Block zu ziehen, gut zu essen, herzhaft, fett, mit viel Knoblauch und danach den Magen mit ein paar Kurzen gut durchzuspülen? Rhetoriktraining und Co sind völlig überbewertet!

Tipp Zwölf: Erst Ausschlafen und dann Adrenalinschock

Vorbereitung ist etwas für Kontrollfreaks, Sie sind spontan und improvisieren. Erst einmal schauen, wann Ihr Körper nach Biorhythmus wach wird. Danach entscheiden Sie, welche Kleidung Ihrer Laune entspricht. Zu spät kommen ist akademisch und spricht für Ihr Selbstbewusstsein. Ein bisschen Herzklopfen und Atemnot macht Ihre Präsentation noch authentischer und mitreißender.

Tipp Elf: Rhetorik mit funkensprühendem Medieneinsatz

Wenn Sie den richtigen Raum gefunden haben, das erste Mal Aug’ in Aug’ den Zuhörern gegenüberstehen, ist immer noch Zeit zum Tricksen. Ist der Mund noch zu trocken, lassen Sie Folien sprechen. Powerpoint klicken und, wenn Sie die Kraft dazu haben, langsam Wort für Wort laut vorlesen. Das heißt, falls Sie die Schrift lesen können und Ihnen das Lesen nach vierzig Minuten nicht zu viel wird. Sonst spielen Sie doch ein wenig mit den Effekten, Prezi hat ja auch schöne neue Gimmicks. Wenn das mit der Technik nicht hinhaut, lädt die Flipchart ebenfalls zum Kreativwerden ein: Punkt Punkt Komma Strich und so weiter. Ach hoppla, glatt vergessen: Das ist gar nicht der Kindergeburtstag Ihres Sohnes.

Tipp Zehn: Struktur, Rhetoriktraining und Zeitplanung ist für Kleingeister

Reinkommen und drauf losreden. Frank und frei, was Ihnen gerade so einfällt. Diese AHA- Planung nach Anfang, Hauptteil, Abschluss wird doch auch nur künstlich hochgehypt, hört sich in Wahrheit einfach nur nach Schulaufsatz an. Und was die Zeit angeht: Ist ganz einfach, es dauert so lange es dauert, dafür sind die Teilnehmer schließlich gekommen.

Tipp Neun: Alle Menschen sind gleich

Zielgruppenanalyse? Wer die Teilnehmer sind, mit welcher Erwartungshaltung sie an der Veranstaltung teilnehmen und wofür sie sich ganz besonders interessieren, ist doch im Grunde genommen belanglos und für Weicheier. Wir sind alle erwachsen und lernen vom Zuhören. War doch schon immer so: Input gleich Output. Und ohne sich selbst loben zu wollen: Sie geben sich schließlich alle Mühe der Welt bei der präzisen Informationsweitergabe: lange Sätze, viele Fachbegriffe und natürlich auch nicht zu wenig rhetorische Mittel. Da sind Sie ganz besonders fit, so aus dem Stegreif mal eine rhetorische Frage oder ein Vergleich. Alles kein Hexenwerk.

Tipp Acht: Gestik? Rhetoriktraining ist doch nicht Köln in der Bütt!

Ein Vortrag ist Arbeit und kein Vergnügen. Karneval ist längst vorbei. Sie machen sich doch nicht zu Affen. Warum lächeln? Nein, markant wenden Sie den Teilnehmern den Rücken zu, verschränken die Arme und behalten ein professionelles Pokerface bei. Fest verankert bleiben Sie hinter dem Rednerpult stehen, und starren auf den Boden vor sich, Blickkontakt würde die Zuhörer doch nur verunsichern und von den Fakten ablenken. Alternativ hat sich auch Sitzenbleiben bewährt. Man muss Sie nicht sehen, sondern die Informationen merken. Ein gemütlicher Lehnsessel eignet sich zum Fläzen übrigens besser als ein harter Stuhl.

Tipp Sieben: Lampenfieber ist etwas für Schwächlinge

Lampenfieber würde Ihnen nie passieren, auch kein neumodischer Psychokram wie ein Black-Out oder so. Pannen sind etwas für Loser. Sie haben alles fest im Griff, weichen nicht von Ihrem Erfolgsschema ab. Pausen sind Zeitverschwendung, Wassertrinken, sich sammeln bevor es weitergeht – ineffizient und inkompetent. Und falls wider Erwarten doch etwas Unkalkulierbares passiert, dann brechen Sie ab. Ist nicht Ihr Job, Sie sind als Redner zum Reden engagiert und sonst nichts.

Tipp Sechs: Fragen und Zwischenbemerkungen, nein danke

Sie sind und bleiben der Experte. Wer Einwände hat, soll sie für sich behalten. Eine Rede ist qua definitionem ein Monolog.

Tipp Fünf: Schwafeln ist Silber und Ablesen Gold

Wenn Sie nicht zu denen gehören, die Könige im Improvisieren sind, empfiehlt sich, mit einem Manuskript zu arbeiten. Am besten großformatig, damit Platz für alles Ausformulierte ist. Das die ganze Zeit fest in beiden Händen halten und ablesen. Gerne handschriftlich, das wirkt gleich so menschlich, persönlich, wenn der Redner seine eigene Schrift nicht mehr entziffern kann. Auch die Sternchentechnik hält die Spannung aufrecht, wann und wo es weitergeht. Fallen die Unterlagen auf den Boden, haben Sie die Stimmung ein wenig aufgelockert.

Tipp Vier: Schnell sprechen

Unser Leben ist kurz, jede Minute wertvoll. Je schneller sie sprechen, desto mehr Worte kriegen Sie unter.

Tipp Drei: Leise und gleichbleibend sprechen

Ebenso wie Körpersprache nur vom Inhalt ablenkt, sollten Sie auch versuchen, eine gleichbleibende am besten leise und sanfte Stimmlage beizubehalten. Modulation der Stimme ist etwas für die Philharmonie, nicht für den Konferenzsaal.

Tipp Zwei: Text vergessen, Überblick verlieren

Gar kein Problem: Die Lücken einfach mit „ahs“ und „hms“ füllen.

Tipp Eins: Sie sind der King, reden Sie über sich, sich und noch einmal sich.

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