Wörter als Geschenk: Ein Hoch auf Geburtstagsreden!

Wörter der Wertschätzung bei Geburtstagsreden und Ansprachen
Geburtstagsreden: Wörter als unvergessliches Geschenk (stockfoto: www.pexels.com)

„Ähm, ich will Euch nicht mit einer Rede langweilen … das Buffet ist eröffnet!“ Schade eigentlich. Obwohl Reden einen schlechten Ruf haben, für einige sogar als regelrechter Gähn-Garant gelten, bin ich ein großer Fan vom gesprochenen Wort. Ich liebe Geburtstagsreden, Jubiläums-Ansprachen, Trinksprüche und individuell formulierte Gratulationen. Warum? Meiner Meinung nach sind genau das die wenigen Momente des Innehaltens und des Wertschätzens, die im Alltag ansonsten viel zu kurz kommen! Doch viele haben Angst vor Wörtern als Geschenkidee. Sie befürchten, etwas falsch zu machen, meiden das öffentliche Exponiert-Sein, flüchten sich in Phrasen oder verstecken sich hinter Zitaten. Dabei ist es eigentlich gar nicht so schwierig, frische Worte zu finden.

Was soll ich  bei meiner Geburtstagsrede denn nur sagen?

Als Kölner Schreibberaterin und Rhetoriktrainerin bekam ich letztens eine Schnupperstunden-Anfrage zu einer Geburtstagsrede. Im Rahmen meiner Ausbildung hatte ich in den vergangenen Wochen schon einige Stunden nach den Methoden der nichtdirektiven Beratung durchgeführt. Mit den Ratsuchenden hatte ich über die unterschiedlichsten Textsorten gesprochen:  Ein Flyer war dabei, ein wissenschaftliches Exposé, Kurzgeschichten, die Landingpage einer Website und jetzt also eine Geburtstagsrede. Nice, dachte ich mir, Old School, das gefällt mir. Bereits bei der Vorbereitung der Stunde habe ich mich auf die Beratung gefreut. Mein wichtigstes Anliegen war, die Ratsuchende bei ihrem Projekt »Rede halten« zu ermutigen.

Als es soweit war, kam auch schon bald die erste Frage: Was soll ich bloß sagen? Ich beschwichtigte mein Gegenüber, sich keinen Kopf zu machen. Der Inhalt einer Rede ist natürlich auch wichtig, aber das Entscheidende ist die Tatsache, dass der Redner sich traut, tatsächlich aufzustehen und die Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. Und das, obwohl er oder sie dabei das Risiko eingeht, sich zu blamieren. Und warum? Als Geschenk für den anderen: um den Jubilar zu loben, ihm zu danken, seine Leistung anzuerkennen.

Meiner Meinung nach gehört eine Rede oder kurze Ansprache zu einem der schönsten und individuellsten Geschenke, die man jemandem machen kann. Wenn Sie überlegen, ob Sie das nicht auch einmal versuchen wollen, dann kann ich Ihnen schon jetzt garantieren, dass Sie in dem Moment, in welchem Sie den Stuhl (vermutlich mit leicht geröteten Wangen und ein wenig wackligen Knien, das gehört dazu) zur Seite rücken, schon 80% der Aufgabe gelöst haben. Wie gesagt: Die einzelnen Formulierungen sind weit weniger wichtig als die Tatsache, dass Sie es tatsächlich tun. Der Rest ist dann eigentlich ganz leicht:

Mögliche Zutaten einer knackigen Ansprache: Tipps und Tricks

  • Das Einfachste ist, an der augenblicklichen Situation anzuknüpfen, um die Zuhörer mit ins Boot zu holen. Sagen Sie, nachdem Sie sich erhoben haben, etwas zu den Räumlichkeiten, der Deko, dem Essen, dem Anlass
  • Sie können Ihre Rede auch mit einem Lied, einem Gedicht oder einem Foto beginnen
  • Vielleicht möchten Sie einen Bezug zum Geburtsjahr herstellen
  • Nehmen Sie die Zuhörer mit auf eine Reise in die Vergangenheit, etwa zurück zu dem Tag, an dem Sie das Geburtstagskind kennengelernt haben
  • Verweisen Sie auf eine Gemeinsamkeit, die Sie mit dem Jubilar oder den anderen Anwesenden teilen, sei es ein Hobby, das Alter, dass Sie ledig sind, dass Sie Familie haben, dass Sie dieselbe Sache nicht mögen
  • Lassen Sie ein bis drei besonders typische Situationen, welche den Gefeierten charakterisieren, möglichst anschaulich Revue passieren
  • Beschreiben Sie die besonders liebenswerten Eigenschaften des Jubilars
  • Streichen Sie eine besondere Lebensleistung heraus oder geben Sie einen Überblick über den Verlauf mehrerer Stationen
  • Beenden Sie Ihre Rede mit einer Zusammenfassung und/oder mit guten Wünschen für die Zukunft

Wann soll ich die Rede halten?

Das kommt natürlich auf den äußeren Rahmen an.  Die klassischen drei Situationen, in denen sich kurze Ansprachen gut einfügen lassen, sind:

  • im Verlauf des Empfangs
  • vor dem Essen
  • vor dem Dessert

Natürlich kann man auch spontan ein paar warme Worte sagen, aber falls es etwas länger werden soll, ist es besser, Absprachen zu treffen. Das macht sowohl Sinn im Hinblick auf die anderen Gäste (denn es ist durchaus möglich, dass mehrere Reden geplant sind). Eine kurze Information über Ihre Redeabsicht kann aber auch für das Cateringteam hilfreich sein, damit es  weiss, dass es mit dem Nachtisch noch ein wenig warten soll.

Überlegen Sie sich bereits jetzt, wo genau Sie stehen werden. Drei Aspekte gilt es besonders zu bedenken. Erstens möchten Sie, dass möglichst viele der Anwesenden Sie ungestört sehen können. Darüber hinaus sollten Sie aber auch wissen, wo der Gefeierte sitzt, damit Sie sich ihm verbal und nonverbal zuwenden können. Drittens empfehle ich Ihnen, bei der Wahl des Sitzplatzes ebenfalls an Ihr eigenes Wohlbefinden zu denken. Ich habe beispielsweise immer gerne eine Mauer oder einen Pfeiler im Rücken und stehe dementsprechend ungern im freien Raum, da ich sonst das Gefühl habe, mich ständig drehen zu müssen, um allen gerecht zu werden.

Wie soll die Rede beschaffen sein? Feingefühl statt Machtmissbrauch!

Das hängt natürlich von der konkreten Situation ab.  Überlegen Sie sich, welcher Grad an Förmlichkeit angemessen ist. Wer sind die Gäste, was ist der Anlass? Ist das Setting eher feierlich oder ungezwungen, gar witzig? Was für ein Typ sind Sie und was für ein Ton gefällt wohl dem Adressaten Ihrer Rede? Dabei ist es natürlich Ehrensache, dass keinerlei Vertraulichkeiten öffentlich ausgeplaudert werden und dass boshaften Sticheleien kein Raum gegeben wird. Ironisches freundschaftliches Frotzeln kann im passenden Rahmen jedoch durchaus angemessen sein. Wenn Sie aber im Zweifel sind, ein schlechtes Bauchgefühl haben, verzichten Sie besser ganz darauf. Gehen Sie verantwortlich  mit der Tatsache um, dass Ihnen die Position als Redner Macht gibt. Missbrauchen Sie sie nicht!

Die wichtigsten Eckdaten bei der Planung einer Rede oder Ansprache

  • Der Zeitfaktor: Pro 100 Wörter brauchen Sie ca. eine Minute. Um die vier Minuten plus minus wird von vielen Zuhörern als eine angenehme Redelänge empfunden.
  • Die Hilfsmittel: Reden halten ist immer eine Ausnahmesituation. Normalerweise sind wir nicht so exponiert. Unterschätzen Sie nicht die Nervosität und bauen Sie vor: Überlegen Sie sich Satzanfänge, halten Sie wichtige Zahlen und Fakten parat, arbeiten Sie mit Spickzetteln und Karteikarten.
  • Frei reden: Benutzen Sie kein ausformuliertes Manuskript und lernen Sie nicht die komplette Rede auswendig, das Wichtige ist der persönliche Bezug: Halten Sie Augenkontakt, machen Sie Pausen, um zu sehen, wie Ihre Worte wirken.
  • Nehmen Sie sich Zeit, reden Sie laut und deutlich. Je normaler desto besser, verzichten Sie auf einen künstlich, geschraubten Stil, setzen Sie lieber auf kurze, klare Sätze.
  • Der Inhalt: Packen Sie Ihre Rede nicht zu voll, drei bis fünf, höchstens sieben Aspekte reichen. Setzen Sie klare Schwerpunkte statt ausschweifend viele Details aneinanderzureihen.
  • Die Struktur: Der Dreischritt Einleitung, Hauptteil, Schluss gibt Ihnen und dem Publikum Halt. Teilen Sie Ihren Inhalt in Bonbonform auf: Ein Viertel für das Bonbon vorne, zwei Viertel für den Hauptteil und ein Viertel für das Bonbon hinten.
  • Most important: Wenn Sie wenig Vorbereitungszeit haben, fokussieren Sie sich am besten auf die ersten und die letzten Sätze. Die ersten Sätze sollten sicher sitzen, denn das gibt Ihnen Sicherheit und ein gutes Standing. Die letzten Sätze sind das, was am längsten in Erinnerung bleibt: Lassen Sie Ihre Rede nicht irgendwie auslaufen, sondern setzen Sie einen klaren Schluss. Im Notfall dürfen Sie die Mitte der Rede etwas großzügiger angehen, aber der Anfang und Schluss sollten sitzen.
  • Insidertipp zur Recherche: www.geburtsjahr.de Hilfreiche Auflistung (ab dem Geburtsjahr1925 bis 2004) von Ereignissen aus dem Bereich Politik, Kultur, Sport, Wissenschaft und Technik sowie einige Promis, die dasselbe Geburtsjahr teilen.

 

 Wortgeschenke? Na klar, einfach machen!

Wörter sind ein wunderbares Geschenk. Wir können mit ihnen nicht nur einem Einzelnen viel Freude bereiten, sondern auch das Gemeinschaftsgefühl einer Gruppe stärken, zusammen auf dieselbe Reise gehen.

Wörter können fast Vergessenes wieder in Erinnerung rufen, Träume und Wünsche für die Zukunft ausdrücken. Durch sie können wir uns einander mitteilen, uns gegenseitig  unterstützen, gemeinsam lachen oder trauern.

Feiern wir die wichtigen Momente im Leben! Auf dass wir sie nicht einfach absitzen und wegfuttern, sondern sie gestalten,  besonders machen und sie miteinander als bedeutsam zu genießen verstehen!

Wer sich für das Thema Rhetorik interessiert, findet in meinem Blog noch mehr dazu:

http://sigrun-dahmer.de/schlagfertigkeit-trainieren-und-improtheater/

 

 

 

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