Corona und die deutsche Sprache: Rhetorik & Zeitgeist

Dass in parkenden Autos der Mundschutz am Rückspiegel baumelt, empfinden wir schon nicht mehr als ungewöhnlich. Doch das ist nicht alles. Das Corona-Virus hat auch unsere Sprache fest im Griff. Lust auf Skurriles? Hier kommen ein paar launische Schlaglichter auf die Corona-Sprache.

Corona und Sprache: Der Zeitgeist hat Einfluss auf Sprachwandel, Rhetorik
Die „Coronisierung“ von Sprache & Kommunikation (www.pexels.com)

Corona-Sprache: Der oder das Virus?

Es geht los mit der Frage nach dem richtigen Artikel. Heißt es der oder das Virus? Kurze Antwort: Beides geht. Lange Antwort: In der medizinischen Fachsprache ist das grammatische Geschlecht (wie auch im Lateinischen) ein Neutrum und so sagt man: „das Virus.“ In der Alltagssprache wird aber von vielen Sprecher*innen lieber der männliche Artikel verwendet. Warum? Aus purer Macht der Gewohnheit, da auf „-us“ endende Nomen bei uns üblicherweise nicht sächlich sind. Weil der männliche Artikel mittlerweile so häufig gebraucht wird, öffnet sich selbst die Dudenredaktion dieser Spracherneuerung und akzeptiert „der Virus“ (außerhalb der Fachsprache) ebenfalls als korrekt.

Das exponentielle Wachstum der Corona-Fachsprache

Wenn wir uns über medizinische Sachverhalte austauschen, ist die Frage nach dem richtigen Artikel noch unser kleinstes Problem. Hand aufs Herz: „Corona und die deutsche Sprache: Rhetorik & Zeitgeist“ weiterlesen

Reden kürzen, ohne sie zu kastrieren

Rede kürzen ohne sie zu kastrieren
Als Speaker im Rampenlicht (@Tye Doring on unsplash)

Es gibt viele Gründe, Reden zu kürzen:

Das Publikum ist ausgelaugt, der Zeitplan bereits völlig überzogen, das Essen wird kalt, technische Probleme drängen zur Eile. Grausam, aber wahr: Für Sie als Redner*in ist nun die Zeit gekommen, sich von Ihrem geliebten Meisterwerk zu verabschieden, zumindest von einigen Teilen. Aber von welchen? Wie kürzt man sinnvoll, ohne die eigene Rede zu kastrieren?

„Reden kürzen, ohne sie zu kastrieren“ weiterlesen

Schlagfertigkeit trainieren und Improtheater

Improvisation trainiert Schlagfertigkeit
Schlagfertigkeit trainieren: Es geht auch anders, aber so geht es auch. (stockphoto www.pexels.com)

 

Präsenz oder Nicht-Präsenz, das ist hier die Frage. Sie ahnen es schon: Diesmal geht es um die Welt des Theaters. Unterwegs in Sachen Rhetorik nahm ich im Herbst an einem Improtheater-Workshop teil. Was ich gelernt habe ist, dass Schlagfertigkeit trainieren viel mit der inneren Einstellung zu tun hat. Glücklich der Redner und die Rednerin, die offen für Neues sind, spielerisch annehmen, was kommt ohne dabei ihr eigenes „standing“ zu verlieren. Und wenn gar nichts mehr geht, dann hilft immer noch der Griff in die rhetorische Trickkiste…

Kaffeepause. Ich schaute auf die Uhr. In den letzten 90 Minuten war ich nicht eine Sekunde zum Nachdenken gekommen, dazu hatte mich das rasante Programm zu sehr auf Trab gehalten. Mein Eindruck: Improtheater macht riesig Spaß, ist aber zugleich deutlich anspruchsvoller als erwartet. Doch zurück zum Anfang: Der Workshop begann ganz entspannt. Nachdem allmählich die TeilnehmerInnen eingetrudelt waren, gab es zwei drei harmlose Warm-Up Übungen zum gegenseitigen Kennenlernen. Doch bereits eine gute halbe Stunde später ging es ans Eingemachte.  Unsere Trainerin teilte die Gruppe in Zweierteams auf und bat uns, durch den Raum zu spazieren und dabei eine Geschichte zu erfinden. Kein Problem, dachte ich naiv, mit story-telling kenne ich mich aus.

Von wegen! Bei der Umsetzung der scheinbar leichten Übung kam ich erschreckend schnell ins Schwitzen. Der Haken an der Sache ist nämlich, dass „Schlagfertigkeit trainieren und Improtheater“ weiterlesen