„Mein Name ist Autoren-Schreibtisch. Ich bin das Zentrum des Schreibretreats. Meine Platte trägt geduldig Computer-Gedöns, Kaffeebecher und (Nerven-)Nahrung. Meine Ohren ertragen Flüche, Fach-Gequatsche und Jubel-Geschrei.“
Seine ehrliche Meinung über die Autoren-Woche
„Autoren sind launische Menschen. Mal kleben sie stundenlang an mir fest und tippen und klappern auf Teufel komm raus ihre Einfälle in ihre Maschinchen. Dann widerum wenden sie mir eiskalt den Rücken zu und betrügen mich mit der Sitzecke, in der sie spielen, lesen und relaxen.“
Sein final statement
„Und gleich verlassen mich einige sogar für mehrere Stunden, um Flensburg zu erkunden. Hallo? Wo bleibt da die Arbeitsmoral und Schreibtisch-Loyalität? Ich mein ja nur …“
Unser Schreib-Retreat im hohen Norden ist sehr ländlich. Nichts lenkt uns ab und so heißt es schreiben, schreiben, schreiben … non-stop.
Fast.
Denn auch die Bedeutung von Pausen ist beim Schreiben nicht zu unterschätzen. Oft ist nach ein wenig „Sacken-lassen“ und Ablenkung die Schreib-Qualität merkbar besser. Mit einmal liest der Text sich viel frischer und lebendiger.
Nach dem Mord … das Meer
Es ist so schön, nach dem Schreiben einer Schlüssel-Szene mal eben zum Strand zu laufen, Salzluft einzuatmen, Tang zu riechen, sich vom Wind den Kopf durchlüften zu lassen und dann an den langen Gruppen-Schreibtisch zurück zu kehren, um danach wieder konzentriert weiter am Málaga-Krimi zu basteln.
Wenn man nach dem Aufwachen in die Küche schlendert und alle diskutieren schon eifrig darüber, ob es „Worte“ oder „Wörter“ heißt …
… dann ist das die Autoren-Woche in der Flensburger Förde.
Autoren-Woche voller Tasten-Geklapper
Was für ein Traum, täglich das Tasten-Geklapper von Gleichgesinnten zu hören, sich gegenseitig zum Weiterschreiben zu motivieren und es sich zusammen gut gehen zu lassen.
Der Aufreger des Tages
Am Nachmittag wird der erste Walk zum Meer stattfinden … Wie aufregend!
Vorfreude auf die Autoren-Woche in der Flensburger Förde
Autoren-Woche: Der Plan
Manchmal kann das Schreiben eine ganz schön einsame Angelegenheit sein. Nicht so dieses Jahr.
Anfang November 2022 wartete ich neugierig auf den Anfang der Autoren-Woche in der Flensburger Förde: Ein Selbst-Experiment! Es handelte sich um ein einwöchiges Schreib-Retreat mit einer handvoll mir zu diesem Zeitpunkt noch weitgehend unbekannter Autor*innen. Wir hatten uns ein Haus mit einem riesenlangen Schreibtisch angemietet und planten, day-in, day-out an unseren Schreib-Projekten zu arbeiten.
Autoren-Woche: Vorfreude
Ich war wahnsinnig gespannt und sehr neugierig. Ich freute mich auf nette Menschen und inspirierende Texte und empfand es als Luxus, für eine Woche gemeinsam mit Gleichgesinnten die Welt der Wörter bereisen zu können.
Natürlich war ich aber auch ein wenig besorgt, ob wir da draußen auf dem Lande wohl gut miteinander klar kämen …
Haben Sie schon einmal den Begriff: „Living Library“ gehört? Mir ist er auch erst vor Kurzem über den Weg gelaufen.
Der Banner der living library in Köln
Was bedeutet living library?
Das Konzept der lebenden Bücherei kommt aus Dänemark. Statt Bücher „leiht“ man sich Menschen „aus“, die einem in Bezug auf einen bestimmten Schwerpunkt über ihr Leben erzählen.
Konnte ich mir auch nicht so richtig vorstellen. Aber heute habe ich in der VHS Köln-Mühlheim selbst an einer living library teilgenommen und bin begeistert.
Living Library: So geht`s
An einer Theke liegen Buchkarten mit einem Covertext aus. So gab es z.B. „Bücher“ zum Thema:
– Polyamor
– Gastarbeiterkind
– Ü40, Single und Kinderwunsch
Man entscheidet sich für ein Thema und wird von der „Bibliotheks-Person“ zu einer Sitzecke gebracht. Dort nimmt man „seinem Buch“ gegenüber Platz und lässt sich für 30 Minuten über das Thema informieren. Je nach Absprache darf man dabei oder danach Fragen stellen.
Meine Bücher waren:
– Urlaub vom System: die Stadtaktivistin
– Die 12 Schritte: Alkoholismus
-Tantra im Alltag
Während der Gespräche bemerkte ich, wie so einige Klischees in meinem Kopf aufgebrochen wurden. Aspekte, die ich völlig unter- oder überbewertet oder überhaupt nicht bedacht hatte, kamen plötzlich ans Licht. Eine echte Horizont-Erweiterung!
Und genau das ist die Idee hinter dem Konzept: Schubladen-Denken zu hinterfragen und stattdessen Toleranz für Vielfalt zu fördern.
Living Library lohnt sich
Mein Tipp: Wenn Sie die Möglichkeit haben, eine living library zu besuchen, dann machen Sie das! Es lohnt sich!
Endlich wieder in Präsenz: Die Frankfurter Buchmesse 22
5 Sachen, die mir auf der Frankfurter Buchmesse 22 gefallen haben:
Da mein Verlag mich netterweise mit einem kostenlosen Autorenticket ausgestattet hat, ging es für mich gestern das erste Mal zur Frankfurter Buchmesse. Hier die 5 Sachen, die mir gefallen haben:
Sie ist vom Hauptbahnhof fußläufig zu erreichen
Trotz der Größe & Menge der Besucher*innen ist alles (sogar die Wege zu den Klos) übersichtlich gestaltet
Besonders die Stände der kleineren Verlage fand ich lohnend. Da dort weniger Andrang herrschte, kam man auch leichter ins Gespräch. (Bei einem spanischen Stand bekam ich sogar ein Glas Wein spendiert)
Die Agora draußen (eine Art Marktplatz) war toll. Ein guter Mix aus Aktions-Angeboten, Infos & Cafés (Mein Tipp: Die Abbildungen spanischer Maler samt Erläuterungen anschauen)
Im Forum 1 findet man den Ehrengast Spanien. Passend zum Thema „Sprühende Kreativität“ war die location besonders schön inszeniert.
Wie steht es um die Work-Life-Balance bei digitalen Nomad*innen?
Nein, ich bin keine digitale Nomadin.
Aber die letzte Etappe meines Reise-Sabbaticals fühlt sich schon gerade ein bisschen so an.
Mein Körper ist im wunderschönen (mittlerweile wieder sonnig- warmen) Porto und genießt „ galãoes“. Mein Geist plant jedoch gleichzeitig schon die nächsten beruflichen Projekte und reist per digitaler Medien durch ganz Europa:
heute Morgen hatte ich ein „Kennenlernen-Treffen“ (sprich: Bewerbungsgespräch) per Zoom mit neuen KooperationspartnerInnen
gestern konnte ich digital an unserem SchreibberaterInnen-Stammtisch teilnehmen
letzte Woche durfte ich mich mit supernetten neuen Bekannten, die ebenfalls gerade ein Sabbatical machen, per Videokonferenz über unsere Erfahrungen austauschen
Einerseits bin ich dankbar …
für die Kontakte per Internet, andererseits versuche ich während meines Sabbaticals die Videokonferenzen zu begrenzen. Ich finde es schwierig, wenn mein Kopf und mein Körper an unterschiedlichen Orten sind. Außerdem ist es für mich auch nicht ganz leicht, die Planung von beruflichen Projekten und das Gefühl von Freizeit & Urlaub unter einen Hut zu bringen.