Mein Albtraum-Ort (Schreibchallenge)

Sigrun Dahmer beschreibt einen lauten, dreckigen Albtraum-Ort während ihrer Reise in Spanien für die Schreibchallenge
One man‘s dream is another one‘s nightmare

Mein Albtraumort

Das Viertel, in dem ich wohne, ist ruhig und angenehm, das Viertel nebenan sehr lebendig. Besetzte Häuser, Graffitis, Subkultur. Der Ort, den ich nicht mag, befindet sich auf dem Weg von einem „Barrio“ zum anderen.

Um nach „Lagunillas“ zu kommen, muss ich eine Straße überqueren, die so groß ist, dass ich nicht in einem Anlauf durchkomme, sondern mich gezwungen sehe, auf der Verkehrsinsel zu warten… Ich hasse diesen Ort. 

Diese Insel ist meine ganz private Stierkampf-Hölle.

– Vor mir funkelndes Polizeiblaulicht und roter Doppeldeckerbus.

– Neben mir eine Leidensgenossin, die mir aufgrund der Platznot auf den Fuß tritt und mir ihren Einkaufsbeutel in die Kniekehle rammt.

– Hinter mir die Vibrationen eines schwerbeladenen LKWs und der fiepende Warnton der Müllabfuhr.

Als es endlich grün wird, ergreife ich die Flucht. Auf der anderen Straßenseite hole ich tief Luft und fingere ein weißes Tuch aus der Tasche, um mir die Stirn abzutupfen.

Day 10 Beitrag zur Schreib-Challenge #schreibenimjuli22 / Albtraum-Ort

 

Mein Lieblingsort (Schreibchallenge)

Reise nach Spanien von Sigrun Dahmer, hier an ihrem Lieblingsort, wosie sich ausruht und kreativ schreibt.
Das Flanieren genießen.

Mein Lieblingsort:

Im Schatten sitzen, einen Milchkaffee trinken und die Leute beobachten, die zufällig an mir vorbeiziehen, wie sie stehenbleiben, um jemanden mit einer Umarmung zu begrüssen, ein wenig zu plaudern und dann wieder weiter zu bummeln und dann sehe ich, wie ein Mädchen in Schuluniform, Blick auf das Handy, gegen eine Strassenlaterne läuft und höre, wie mein Sitznachbar, der mit der Zeitung, kurz auflacht, wir grinsen uns zu und ich bestelle noch einen Milchkaffee.

Beitrag für die Schreibchallenge #schreibenimjuli22 Day 8.

Wie fühlt sich Luft an? (Schreibchallenge)

Himmel in Spanien bei Schreibchallenge zum Travelwriting hier Luft
Dem Himmel so nah.

Obwohl ich im Urlaub bin,

… steckt mir der Rhythmus des Arbeitsalltags noch in den Knochen: Jeden Morgen wache ich nach wie vor sehr früh auf. Doch das ist halb so wild, denn zum Glück ist der frühe Morgen meine liebste Tageszeit: Ein luftiger, heller, weiter Raum, der jede Menge glitzernde Möglichkeiten für den neuen Tag bereithält.

In der Schreibchallenge 

… mit dem Namen #schreibenimjuli22 geht es am Day 7 darum, welche Rolle das Element Luft an diesem Tag für mich spielt. In der folgenden Textskizze versuche ich zu schildern, wie sich der Anbruch des Tages tief im Süden in der Nähe des Meeres anfühlt. Ich hoffe, dass ich Sie auf meine Reise mitnehmen und Ihnen das Gefühl von einer frischen Morgenbrise auf die Haut zaubern kann.

 

Da das Fenster hier im Süden

… die ganze Nacht durch sperrangelweit geöffnet bleibt, fröstelst du beim ersten Aufwachen meist ein wenig. Zwischen halbgeschlossenen Lidern hältst du Ausschau nach deinem zerknüllten Laken. Als du es findest, ziehst du es mit einem entschiedenen Ruck zurück ans Kinn. Instinktiv rollt sich dein schwerer Körper in die dunkle, warme Kuhle in der Matratze zurück, bereit für eine weitere Runde Schlaf. Doch da hat er nicht mit der Morgenbrise gerechnet. Sie lässt die Rückkehr in die Ruhe nicht zu. Im Gegenteil. Raffiniert bläst sie die Gardine zum verführerischen Schleiertanz auf. 

Das Sommerlüftchen wirkt so zart und unschuldig, doch gewieft zieht es alle Register:

– direkt vor dem Fenster lockt es dich mit dem Schrei der Möwen, der nach Meer und Salz schmeckt

– es kitzelt in deinen Ohren und du vernimmst Wortfetzen von Passanten, die an der Ecke auf den Bus warten

– es lässt dir den Duft des frisch zubereiteten Kaffees von nebenan in die Nase flattern

Irgendwann ergibst du dich und schlägst Augen und Laken auf, genießt die kühle Brise auf deinem Leib. Du stellst die Füße auf und erhebst dich. Der Blick auf die Uhr zeigt, dass es noch sehr früh ist. Egal. Du lächelst. Böse kannst du dem unsichtbaren kleinen Kobold Luft nicht sein.

Ooops … verlesen (Schreibchallenge)

Reisen und kreativ Schreiben und lesen und verlesen in Spanien beim Travelwriting
Jeden Tag derselbe Fehler beim Aufzugfahren.

 

Verlesen Sie sich auch so oft wie ich?

Jeden Tag fahre ich mehrmals mit dem Aufzug und jedes Mal lese ich „Corona“ (statt den tatsächlichen Namen der Firma: Orona). Ich finde solche „Verleser“ ausgesprochen spannend, da sie mir deutlich machen, wie subjektiv meine Weltsicht ist. Ich lese nicht das, was da objektiv steht, sondern das, was irgendwo in meinem Kopf rumspukt.


Kennen Sie das auch? Haben Sie auch „Lieblingswörter“, bei denen Sie sich immer wieder verlesen?

Für die Schreibchallenge #schreibenimjuli22 lautete die Aufgabe Day 6: „Schauen Sie sich um und schreiben ein Wort auf, welches Sie in Ihrer Umgebung sehen.“

Travelwriting: Wer trägt was?

Schreibchallenge und Travelwriting Beitrag aus Spanien von Sigrun Dahmer
Für jeden Kopf den passenden Hut.

Wer trägt was? Schreibchallenge / Day 5.

Was man hier im Süden vor Ort trägt? Hmm, schwierig zu verallgemeinern. Erster pauschaler Eindruck: kommt aufs Alter an.

– younger generation

Man trägt kurz: knappe Hosen oder Röcke & Tops. Schließlich will man Tattoos & trainierte Oberarme präsentieren.

-mid-agers

Eher etwas formeller. Bärte sind sehr beliebt. Die Männer sehen im Grunde genommen aus wie der „Professor“ aus „Haus des Geldes“, gebügelte Hemden und Blusen ein Muss und jede Menge Poloshirts.

– SeniorInnen

Werfen sich mit pragmatisch-lockerer, aber doch klassischer Kleidung in Schale.

– Touris all age

Da fallen mir vor allem die Frauen auf: explosiv bunt & bauschig, so ein bisschen zwischen Abi-Ball und Cocktail-Dress. Viiiiel Romantik mit großer Sehnsucht nach Sommerleichtigkeit.

36 Stunden im Fernreisebus

Nach langer Fahrt am Ziel angekommen.

Meine 5 Learnings nach 36 Stunden Fahrt im Fernreisebus:

  1. Die Zeit, die man überpünktlich am Treffpunkt erscheint, ist umgekehrt proportional zur benötigten Wartezeit, bis es tatsächlich losgeht.
  1. Trinken & Chemie-Klo oder Enthaltsamkeit & Vertrocknen – das klassische Reisedilemma.
  1. Kreativität während der Fahrt heißt: immer neue Sitzpositionen zu erfinden. (Bis es sowieso egal ist, da alle Knochen schmerzen … )
    Das saubere Einstellen von Radiosendern ist eine Kunst, die kaum beherrscht wird.
  2. Das saubere Einstellen von Radiosendern ist eine Kunst, die kaum beherrscht wird.
  3. Und dann beim Aussteigen der mediterrane harzige Duft von Kiefernwald, der alle Mühen wieder wett macht.

Beitrag zur Schreibchallenge #schreibenimjuli22 /Kombination der Aufgaben von Day 2 (wo befinden Sie sich) und Day 3 (Gerüche).

Schreibchallenge: Vorstellung als Autorin

Autorin Sigrun Dahmer und ihre Schreibprojekte
Im Juli 2022 beginnt die Schreibchallenge

Tag 1 der Schreib-Challenge: Stellen Sie sich und Ihre Schreibprojekte vor.

Los geht`s … oder wie Mick Jagger sagen würde: “pleased to meet you, hope you guess my name. But what`s puzzling you, is the nature of my game …”

Ich heiße Sigrun Dahmer und bin lizenzierte Schreibberaterin, Autorin & Rhetoriktrainerin. Nachdem ich zuletzt vor allem an einem Fachbuch gearbeitet habe (das 2023 veröffentlicht wird – jippie), brenne ich nun darauf, endlich wieder Belletristisches zu verzapfen. Stehe (neben ein paar storys von unterwegs) gerade am Anfang eines neuen Romanprojekts.

Und hier kommt Jaggers Zitat ins Spiel:

Grob gesagt handelt mein nächstes Buchprojekt von einem bunten Haufen Leute, die an einem Retreat teilnehmen, da sie ihr Leben neu ordnen wollen. Und während die Teilnehmer*innen sich streiten, verlieben und über die großen Themen unserer Zeit philosophieren, taucht plötzlich das erste Erpresser*innen-Schreiben auf. Das Ganze spitzt sich immer mehr zu, sodass es von Tag zu Tag undurchsichtiger wird, welches Spiel da eigentlich gespielt wird …

Modern Love Stories schreiben. Liebesgeschichten 2052.

Wie wird die Liebe im Jahr 2052 aussehen?

25 Jugendliche schreiben im Rahmen einer Projektwoche Modern Love Storys. Welche Ideen haben sie und wie bringen sie ihre Einfälle zu Papier bzw. auf das ipad?

 

Liebe im Jahr 2052. Wer liebt wen?

Am Montag geht es mit ersten kleinen Schreibspielen zum Kennenlernen los. Danach schwieren alle aus: recherchieren, fotografieren, zeichnen, sammeln Ideen und führen Umfragen durch:

  • Wird es im Jahr 2052 eine Liebesbeziehung zwischen KI und Mensch geben? (Ein Drittel der Befragten kann sich das vorstellen.)
  • Werden sich Menschen nur noch über Apps kennenlernen? (Das halten nur zehn Prozent für wahrscheinlich.)
  • Werden in der Zukunft noch Liebesbriefe geschrieben werden? (Erstaunliche Antwort: 50% sind davon überzeugt.)
  • Wird die Natur sich erholen?( Nur zehn Prozent glauben daran.)
  • Werden Menschen noch heiraten? (Und hier die größte Überraschung: 80% sind vom Bestand der Institution Ehe überzeugt.)

Wie schreibt man eine Liebesgeschichte?

In den nächsten Tagen bleibt kein Wort mehr neben dem anderen stehen. Ideen werden erst in Clustern organisiert, dann zu Einleitung, Hauptteil und Schluss weitergesponnen und schwupps … schon steht die Story im Heft bzw. auf dem Monitor.  Besonders das gemischte Doppel: feste, traditionelle Formen (wie zum Beispiel die klassische Liebeserklärung) werden mit unerwarteten poppigen, frischen Inhalten gefüllt. So entstehen teils ironische, teils ernst gemeinte und insgesamt äußerst faszinierende Texte.

Beispiel gefällig?

Die Natur hat uns Menschen einen Brief geschrieben. Und zwar einen Liebesbrief. Eine Liebeserklärung der Natur an die Menschheit. Warum? Weil wir es kurz vor knapp doch noch so gerade geschafft haben, die Klimakrise  abzuwenden!

Überhaupt experimentieren die Jugendlichen ausgiebig mit verschiedenen Perspektiven: Objekte werden personifiziert, Technik mit Leben und Gefühlen ausgestattet. Doch auch die Liebesbeziehungen “zwischen Menschen only” werden – LGBTQ-Bewegung sei dank – umfassend  und vielfältig beschrieben.

Liebesgeschichten per Kettenschreiben

Die am Donnerstag neu eingeführte Schreibtechnik kommt so gut an, dass sie  am Ende der Projektwoche sogar zur Lieblingsübung gekürt wird: Das Kettenschreiben! Die Regeln sind einfach: Nach strengen Zeitauflagen gilt es, erst einen vorgegebenen Anfangssatz zu einem Absatz fortzuschreiben und diesen dann an die Person neben sich weiterzureichen. Diese schreibt den zweiten Teil zu der gerade neu empfangenen Geschichte und gibt beide Teile einer dritten Person. Diese muss dann zu guter Letzt irgendwie einen stimmigen Schluss erfinden. Interessanterweise haben die Jugendlichen bei dieser Aufgabe gerade das enge Zeitkorsett als entlastend empfunden: “Ich hatte gar nicht die Zeit, lange zu überlegen, ob ich die Übung peinlich finden sollte, sondern habe einfach drauf losgeschrieben.”

Liebesgeschichen schreiben: Wild, bunt und irgendwie abgefahren

Am Ende der Projektwoche, am Freitag, lesen die Jugendlichen ihre Geschichten unter großem Applaus in der Aula vor. Nach der Präsentation vor Publikum kommen wir noch ein letztes Mal zum abschließenden Feedback zusammen. Und hier eine der Antworten auf die Frage, wie es war: “Wenn ich die Woche als Tier beschreiben würde, wäre sie ein Kakadu: Wild, bunt und irgendwie abgefahren.”

Und was glauben Sie: Wird die Liebe im Jahr 2052 vom Wesen her ganz anders sein als heutzutage?

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Kreatives Schreiben fördert die Fantasie – stockphoto: creative commons –

Das Kreative Schreiben verschafft uns die Möglichkeit, mit dem Stift (oder der Tastatur) auf Reisen zu gehen. Auf Reisen im Kopf. Doch was soll das? Handelt es sich dabei um Spinnerei oder gar Eskapismus? Oder sollten wir hier eher von Kunst oder zumindest von Horizont-Erweiterung sprechen?

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Corona hat Beziehungen auch gestärkt (stockphoto@unsplash).

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Wir alle sehnen uns nach erfüllenden Beziehungen, nach Nähe, Vertrauen und Zuversicht. Wir möchten uns austauschen, wollen verstanden werden. Kurzum, als soziale Wesen fühlen wir uns in der Regel am wohlsten, wenn wir unsere Erfahrungen mit anderen teilen können.  Und dann kam Corona: Social Distancing, eingefrorene Bilder, stockender Ton.  Plötzlich sahen wir uns gezwungen, unsere persönlichen Beziehungen auf eine sehr begrenzte Notbesetzung von Menschen herunterzufahren. Eine Katastrophe, die uns alle noch lange traumatisieren wird? Ja, schon auch, aber nicht nur! „Beziehungen pflegen: Schwieriger oder leichter als vor Corona?“ weiterlesen